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Woher kommen wir?

 

In Gropiusstadt Süd gab es einen längeren Planungsprozess. In Zeiten kirchenreformerischer Gedanken lag es nahe, sich auf den Bau eines Gemeindezentrums zu verständigen. 1975 wurde ein Gebäude mit Mehrzweckräumen, integriertem Kirchenraum, Jugendkeller und einem Kindertagesstätten Anbau eingeweiht. Hier waren Offenheit, Funktionalität und Stadtteilbezogenheit quasi in Beton gegossen worden. Der damalige Pfarrer nahm schon Ende der 60er Jahre an einer vom Berliner Senat einberufenen Arbeitsgruppe „Gemeinwesenarbeit“ („Community Organisation“) teil und von Anfang an orientierte sich die Gemeindearbeit auf den Stadtteil hin. Es war eine Zeit intensiver Teamarbeit, die von allen Mitarbeiter/innen und von engagierten Laien getragen wurde. Der diakonisch-sozialpädagogische Auftrag wurde ernst genommen. Ein Stichwort der Gemeindearbeit war ´Öffnung und Teilhabe an der Welt`.

 

Was wir machen und warum?

 

Der Leitgedanke der „Kirche für andere“ hat sich bis heute gehalten. Wir sind - neben den Gemeindegruppen - offen für etliche Initiativen und Selbsthilfegruppen. Die Zahl unserer haupt­amtlichen MitarbeiterInnen hat sich in den letzten zehn Jahren drastisch verringert; die Aktivität vieler ehrenamtlicher HelferInnen ist ungebrochen. So haben wir vor vielen Jahren die Angebote unserer Altenarbeit ausgebaut. Es gibt eine aktive Gruppe von Ehrenamtlichen, die aus dem „Frauentreff“ hervorgegangen sind. Das Angebot hatte damals mit jungen Frauen mit Kinderbetreuung begonnen. Heute sind sie, selbst in den 50ern und 60ern, interessiert an Gemeinschaft und Themen. Es gibt eine selbst organisierte Literatur- und eine Handarbeitsgruppe. Ein für uns wichtiges Projekt ist eine neue Gottesdienstform, der „Kirchentreff für Kind und Kegel“. Es handelt sich um einen thematischen Familiengottesdienst, der von einem Team geplant und mit unterschiedlichen UnterstützerInnen durchgeführt wird. Themen waren u.a. „Wunder gibt es immer wieder“, „Wir träumen einen Traum“, „Mein Freund, der Baum“, „Deinen Engel zu mir sende“, „What A Feeling“ u.a.

Unser Gemeindezentrum liegt am Ende des sog. „Wutzkycenters“. Um uns herum hat die große Wohnbaugesellschaft DEGEWO ihre Hochhäu­ser. Unsere Gemeinde steht nicht im Schatten eines riesigen Einkaufszentrums, aber wir arbeiten quasi im Schattenbereich wirtschaftlicher Misere und struktureller Problemzonen. Die Ladengeschäfte im Wutzkycenter wechseln oft, es gibt immer wieder Leerstand. Zusammen mit Politikern und Wohnbaugesellschaften haben wir ein Interesse daran, dass sich die soziale Mischung unseres Bereichs nicht weiter verschlechtert. Natürlich sind Armut, Arbeitslosigkeit und soziales Elend eine Herausforderung für unsere Region, aber wir haben auch keine Handhabe, die Folgen dieser wirtschaftlichen Probleme aus eigener Kraft zu lindern oder gar zu beseitigen. In Gremien und Arbeitsgruppen (z.B. der Gropiusstädter Kultur AG) arbeiten wir mit. Es gibt Zusammenarbeit mit bezirklichen Initiativen (z.B. dem neu installierten Quartiersmanagement).

Im Hinblick auf mehr familienorientierte Arbeit überlegen wir heute, sie stärker auch baby- und kleinkindbezogen zu gestalten. Unser Gemeindezentrum wird vielfältig genutzt, auch von zahlreichen Selbsthilfegruppen. Die Familienbildungsstätte führt bei uns Kurse durch. Es gibt Vermietungen für Feste und Feiern von Gemeindegliedern. Wichtig ist für uns eine Beratungsstelle für Migranten (früher Aussiedlerberatung) des Diakonischen Werkes Neukölln-Oberspree. Das führt zu neuen Kontakten und Aufgaben. AussiedlerInnen kommen zu unseren Gottesdiensten und nehmen an Angeboten unserer Gemeinde teil.

 

Was bedeutet das für uns?

 

Das Leitbild „Kirche für andere“ zu sein setzt uns zunehmend unter Druck, denn die Anforderungen haben nicht nachgelassen, aber unsere Kräfte sind geringer geworden. So geht es uns nun um eine Neustrukturierung in Richtung „Familienorientierung“. Wir knüpfen bei den drei großen Kitas in der Region und der Teilzeitkita in der Gemeinde selbst an, deren Eltern wir mehr in den Blick bekommen wollen. An diesem neuen Konzept arbeiten wir kontinuierlich. Unsere Planung geschieht in enger Zusammenarbeit mit Martin-Luther-King. Diese Regionalisierung ist nötig und birgt auch Hoffnungen. Beide Gemeinden haben eine unterschiedliche Geschichte und Schwerpunktsetzung. Deshalb haben wir behutsam begonnen und seitdem einiges erreicht:

Es gibt einen gemeinsamen Gemeindebrief;  es gibt einen Kirchenmusiker und einen Jungendarbeiter für beide Gemeinden; wir verantworten einen gemeinsamen regionalen Konfirmandenunterricht; wir haben unsere Gottesdienstzeiten abgestimmt; es gibt die Tradition regionaler Gottesdienste und ab 2006 eine gemeinsame Seniorenarbeit an zwei Orten. Wir haben gemeinsam eine Küsterin und haben 2008 einen gemeinsamen Gemeindekirchenrat gebildet.

Trotz aller Sorgen sind wir eine lebendige Gemeinde, die viele Kontakte hat. Wir bieten den Gemeindegliedern und Besuchern eine freundliche Atmosphäre. Es gibt bei uns Menschen, die ansprechbar sind und Kompetenzen haben. Das gilt auch in spiritueller Sicht. Wir sind herausgefordert, uns daran zu erinnern, wo wir herkommen (Gemeindetradition), und offen zu sein für die Anforderungen der Gemeindeglie­der und des Stadtteils.

Gunther Krause-Edelhoff